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Kurzszenen aus dem Leben der Christiane S. ;)

1. Früh morgens betritt sie das Universitätsgebäude. Es scheint als hätte sich in den 2 Monaten Abwesenheit nicht viel verändert – ein bisschen neue Farbe an den Wänden, vielleicht. Nach einer freundlichen Begrüßung und 1 Stunde warten bis sich alle gefunden haben, wird zunächst über die Hochschulleitung, die keiner haben will und die Grund für das Nichtabschließen einiger Module im vergangenen Semester war, abgelästert. Am ersten Tag des neuen Semesters wurden unerlaubt Rucksäcke der Studierenden nach Marihuana durchsucht…seltsam, wie die auf so eine Idee kommen, wo es doch in jeder Ecke nach dem besagten Stoff riecht. Zurück zur Vorlesung: nachdem ein Inhaltlicher Rahmen gesteckt worden war, ging es zu den interessanten Themen. Die Professorin gab einen Kurzbericht über Partneronlinebörsen und ihre neusten persönlichen Erfahrungen, eine Analyse über die verschieden Profile der dort recht geringen Anzahl an Männern und Tipps wie man Betrüger erkennen und entlarven kann. (Randnotiz: Das Wort „Betrüger“ ist unterschiedlich auszulegen. Sie hat aus ihren 60 Jahren, im Onlineportal 59 gemacht). Noch am Verarbeiten der neuen Erkenntnisse schaut Christiane S. im International Office vorbei und verlässt diese überglücklich wieder, denn sie hat die zwei Module des letzten Semesters bestanden (Randnotiz: in einem hat sie aufgrund des Streiks keine Prüfungsleistung abgelegt…aber das beleibt unter uns, bestanden ist bestanden). 2. Nachmittags betritt sie voller Elan das Gebäude der NGO. Obdachlosenspeisung steht auf dem Programm. Nach mehreren Gesprächen mit den Besuchern, kommt einer auf sie zu, der so ganz anders scheint. Markenkleidung, gepflegt, gut riechend. Kaum zu glauben, dass er bereits 10 Jahre auf der Straße „wohnt“. Aber anscheinend ist das möglich… Kurze Zeit später in der Frauendusche: Beinahe alle Frauen haben geduscht, als sich eine umdreht und sagt: „Tschau, noch nie in meinem Leben wurde ich mit so viel Würde behandelt….“ 3. In den letzten Wochen hat es die gute in das Rehabilitationszentrum verschlagen…ja, ja jeder hat eine Sucht. Und manchmal bewirken die Abstinenzerscheinungen, dass man Dinge tut, die man sich vorgenommen hat nie zu tun. Christiane S. hat doch tatsächlich im Loppreisteam auf der Bühne durch ein Mikrofon portugiesische Lieder gesungen. Ja, ja – man muss hinzufügen, dass sie nicht die einzige war und sich beim Proben extra immer einen Schritt vom Mikrofon entfernt hat. Dass kurz vor dem Gottesdienst bestimmt wurde, dass sie einen Solopart übernehmen soll und ihr Mikrofon von den lieben Schülern (Klienten des Zentrums) verdeckt lauter gestellt wurde, soll nur am Rande erwähnt werden. Vielleicht hätte ich diesen Bericht mit „Grenzerfahrungen“ überschreiben sollen…

21.2.13 16:41, kommentieren

Rein - 3 Wochen - Anders raus

Kennt ihr diese typischen Hollywoodfilme in denen das hässliche Mauerblümchen eine Hyper-super- Transformation durchläuft und hinterher nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich verändert ist? Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Glaubwürdigkeit dieser Transformationen sprechen, sondern vielmehr einen Vergleich anstellen, denn genau so fühle ich mich. Die letzten drei Wochen hab ich an einem interessanten Ort, mit interessanten Situationen und noch interessanteren Menschen verbracht und diese Umstände haben definitiv unveränderliche Marken in meinem Leben hinterlassen: Drei Wochen zuvor nach einer 15-stündigen Busfahrt steige ich aus einem Taxi und finde mich vor einem heruntergekommenen Hochhaus in der Stadt Vitoria wieder. Tief durchatmen- das wird für die nächste Zeit mein Zuhause sein. Wir durchqueren eine Garage mit allem möglichen kaputten Möbeln, Schaufensterpuppen, Autozubehör und mit Graffiti geschmückten Wänden. Im dritten Stock befindet sich unser Zimmer. Eine 36 jährige Frau empfängt uns, stellt sich als Zimmermitbewohnerin vor: Wir nennen sie liebevoll: die Ästhetik-Frau, denn vieles in ihren Konversationen dreht sich um Schönheit und Ästhetik. Weitere Mitbewohnerin sind eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin um 50, wegen denen wir so einige Ventilatorendiskussionen ausstehen mussten. Ich sag nur: Menopause . Zum Team der interessanten Personen zählen weitere 12 Personen, 9 männlich, 4 weiblich. Mit diesem Team habe ich die wohl bisher größte Herausforderung in Brasilien bestanden. Innerhalb von 15 Tagen wurden wir konfrontiert u.a. mit sexuellem Missbrauch, Sexsucht, Pornografie, rechtlicher Grundlagen gegen häusliche Gewalt, Entwicklungspsychologie, Rechtslage der Kinder, Homosexualität, Transvestimus, (Kinder- )Prostitution, Menschenhandel, emotionale Abhängigkeit. Wir hatten per Skype Unterricht mit einer Brasilianerin, die in Russland mit Opfern von Menschenhandel arbeitet, bei einer Staatsanwältin, die schon 3 Mordversuche überlebt hat und bei einer Brasilianerin, die einen Weg aus einer virtuellen Sexsucht gefunden hat. Wir haben uns Filme angeschaut, die so sehr an die Substanz gingen, dass so mancher hinterher das Bedürfnis hatte alles kurz und klein zu schlagen. Wir haben uns im Schnitt täglich durch 60 Seiten Lektüre gekämpft. Wir haben mit uns selbst gekämpft! Wenn ich heute zurückschaue bekomme ich eine Gänsehaut. Was in diesem Kontext alles bei einzelnen aufgebrochen ist, ist unglaublich. Es war ein großes Privileg mitzuerleben, wie jemand zum ersten Mal in seinem Leben über sexuellen Missbrauch spricht oder erkennt, dass dieses „Monster“ heute keine Macht mehr über ihn hat. Ehrlich gesagt machte sich zeitweise in mir eine große Verzweiflung breit: Ist unsere Welt wirklich so schmutzig? Von den 9 männlichen Teilnehmern wurden alle bis auf einer als Kind sexuell missbraucht. Beinahe alle sind bezüglich ihrer sexuellen Orientierung herausgefordert. Der Sextourismus im Nordosten Brasiliens floriert, Opfer sind zahlreiche Mädchen, die teilweise beginnen mit 8 Jahren Programm zu machen. Die Rate der Pornografiekonsumenten ist enorm und es sind mehr Menschen in unserem persönlichen Umfeld Sexsüchtig als wir wahrhaben wollen. Warum geben wir diesen Themen so wenig Raum in unseren Unterhaltungen und tun so als seien die Betroffenen Außerirdische? Ja, ja ich würd auch lieber über die schönen Strände, den netten Film im Kino und den Ausflug an den Hafen schreiben (was ich hiermit getan habe ). Zu guter Letzt hab ich noch eine gute Info für euch: Ich hab den Kurs bestanden .

3.2.13 23:59, kommentieren

Von Situationen, wie dem Ein- und Ausräumen der Süplmaschine

Liebe Leser, kennt ihr diese ganz normalen Situationen, die sich innerhalb einer Woche so regelmäßig wiederholen, dass sie schon zum Alltag gehören? Zum Beispiel Geschirrspülen (für alle glücklichen Spülmaschinenbesitzer: das Ein- und Ausräumen der Maschine), Einkaufen gehen, etc. …oder folgende Situation: Man geht durch die Straßen einer Großstadt. Natürlich ist man in Eile. Es ist schon spät und man möchte nach Hause. Mit den Gedanken schon bei dem Film, den man eventuell anschauen möchte oder auch schon einen Schritt weiter: Was am nächsten Tag so ansteht. Da wird man plötzlich von einer kleineren, älteren Dame angesprochen. “Meine Lieben, bitte, bitte helft mir. Ich bin arm und krank und brauche Geld, um mir Medikamente zu kaufen.“ Betretene Stille. Unsichere Blicke wandern hin und her. „ Haben Sie es denn schon am Gesundheitsposten der Regierung gleich um die Ecke versucht?“ Trügt der Schein oder war da ein Schimmer Unsicherheit im Gesicht der Frau zu erkennen? Wenn dem so wäre, ist davon mittlerweile nichts mehr zu erkennen. „Ja, aber da war nichts zu holen. Bitte meine Lieben, es handelt sich nur um 4 Reais (1€).“ Wieder Stille. …20 Sekunden…30 Sekunden…Eine der drei anwesenden zückt den Geldbeutel und gibt 4 RS. „Gott segne euch. So Barmherzig. Ihr werdet unglaublich reich gesegnet. Und wenn ihr auf der Straße seid wird er euch schützen. Genauso wenn ihr im Flugzeug sitzt. Es wird euch nichts passieren. Vielen Dank. Gott segne euch.“ Szenenende. (kurze Anmerkung: Die Passage des Flugzeuges hat keiner von uns so richtig verstanden, aber der Richtigkeit wegen habe ich sie dabei gelassen . Ja, das war eine meiner alltäglichen Situationen. Und aufgrund ihrer Alltäglichkeit, ist es unumgänglich sich Gedanken darüber zu machen. Warum zückt nur eine ihre Geldbörse? Warum helfen die anderen beiden nicht aus? Es handelt sich um eine arme, ältere Dame die ein Medikament für 1 Euro kaufen möchte! Was ist das für eine ignorante Gesellschaft heutzutage. Denkst du das? Dann bist du nicht der einzige. Aber gib mir die Möglichkeit, mal eine ganz andere Version der Situation zu schildern. Die Situation der zwei Egoisten, die nichts gegeben haben und anschließend in die Bahn stiegen, um abends gemütlich vor dem Fernseher einzuschlafen. Natürlich darf nichts verallgemeinert werden. Warum beispielsweise erzählt eine Frau jeden Tag in der Nähe eines Einkaufszentrums den Passanten seit Monaten die Geschichte, dass sie unbedingt Geld für die Rückreise in ihre Heimatstadt braucht und seit Monaten geben die Passanten Geld. Obwohl Brasilien eine aufsteigende Wirtschaftsmacht ist sind die Reisepreise nicht so überhöht, dass man Monate sammeln muss um zurückkehren zu können. Und wer noch der Meinung ist Brasilien ist extrem rückständig und verfügt über keine gute Gesundheitsversorgung hat sich geirrt. Vielleicht funktioniert das System nicht immer gut und man muss ab und zu Stunden warten, aber man hat unglaublich viele Möglichkeiten mit den dementsprechenden – kostenlos- Medikamenten versorgt zu werden. Vor allem wenn es sich um einen so geringen Betrag von 1 Euro handelt. Man darf sich natürlich nicht persönlich angegriffen fühlen und denken, dass der flehende Unterton der Dame dem Gesprächspartner das Gefühl geben soll: Du bist so reich und ignorant. Wenn du nicht gibst, bist du eine schlechte Person. Nur weil es dir finanziell gut geht, vergisst du die Armen und Schwachen und genießt deinen Reichtum, siehst nicht das Elend. Die Dame kann ja nicht wissen, dass du jeden Tag unglaublich viele Menschen am Rande der Gesellschaft siehst und versuchst ihnen zu besseren Konditionen zu verhelfen. Und interessanterweise genau deswegen, eine der „Egoisten“ der Geschichte bist. Denn du weißt, dass sogar eine Dose Kekse für Crack eingetauscht werden kann. Du weißt, dass die erzählten Geschichten variieren können und höchst wahrscheinlich dieselbe Dame morgen eine etwas andere Version erzählt. Du weißt, um die Hilfsprogramme der Regierung und du machst dir Gedanken, ob wenn ständig jemand Geld gibt, die Situation der Betroffenen sich wirklich nachhaltig ändert oder ob damit nicht ihr Leben am Rande der Gesellschaft unterstützt wird. Denn wenn sie es schaffen auf diese Art durchzukommen, werden sie wohl eher nicht auf die Idee kommen etwas zu verändern. Auf die Tatsache, dass du von vielen Ehemaligen schon unglaublich schräge Geschichten gehört hast, die sie erfunden haben, um sich ihren Lebensstil zu ermöglichen und welchen unglaublichen Erfolg sie hatten, möchte ich gar nicht näher eingehen. Ja, vielleicht denkst du: Aber es handelt sich hier um eine ältere Dame, die etwas Geld brauchst. Ich will dich gar nicht davon abhalten den barmherzigen Samariter zu spielen. Vielleicht ist die andere Sichtweise tatsächlich unbarmherzig und hart und ich enttäusche dich, wenn ich mich dazu bekenne eine derjenigen gewesen zu sein, die nichts gegeben hat. Aber wenn einem in einer solch alltäglichen Situation, sofort die vielen falschen Geschichten, kaputten verbrauchten Menschen auf der Straße, die Langzeitkonsequenzen eines Lebens auf der Straße und das Wissen, dass man eben nicht weiß was mit dem Geld gemacht wird, einfällt, war es zumindest für mich nicht möglich in die Börse zu greifen. Denn es ist nicht so, dass ich meine Zeit und mein Geld nicht gerne weitergebe, aber ich will wissen, was damit getrieben wird.

11.12.12 14:31, kommentieren

Ihr hattet Recht ;)

„ Wie, du warst noch nie in Rio? Dort gibt es die schönsten Strände und….blablabla“ diesen Satz bekam ich in letzter Zeit so oft zu hören, dass ich beschloss mich nun endlich dem absoluten „Touri-Muss“ zu unterziehen und mich auf den Weg zu machen. Letzten Freitag klingelte um 5:55 Uhr der Wecker und es ging los zum Busbahnhof. Dass die Reise völlig übermüdet begann ist nur eine kleine Randnotiz, weil unter Frauen, die sich einen Tag nicht gesehen haben, natürlich bis in die tiefste Nacht gequatscht werden muss und dann als endlich die Müdigkeit überwog, meine Mitbewohnerin sich in einer solchen schlechten Verfassung befand, dass der Krankenwagen geholt werden musste. Ja, auch mitten im Zentrum von Sao Paulo muss man nicht nur 40 min auf diesen warten, sondern bevor jener losgeschickt wird trotz Atemnot und Herzrasen noch am Telefon ein Auswahlgespräch mit dem Arzt geführt werden, der dann die Herzensgüte besitzt (oder auch nicht) einen der rotgelben Fahrzeuge loszuschicken. Aufgrund der Angabe des Stadtviertels könnte es sich ja eventuell um einen Obdachlosen handeln, der aufgrund seiner Situation natürlich anders „bedient“ wird. Dass in diesem Fall der Krankenwagen schneller kommen würde oder die Ausrüstung der Sanitäter von höherer Qualität ist, ist natürlich keine Frage, oder? Zurück zum eigentlichen Thema: Rio. Die sechsstündige Busfahrt verlief ohne große Zwischenfälle und wir kamen pünktlich um 13.30 Uhr in der Stadt der Städte an. Unsere Miturlauberrinnen hatten allerdings kleine Probleme, was uns die Möglichkeit gab weitere 4 Stunden an dem doch äußerst attraktiven Busbahnhof zu verbringen. Immerhin erforschten wir in dieser Zeit, dass es in dem Gebäude 3 Toilettenkomplexe gab. In zwei musste man 1,5 RS bezahlen um kurz pinkeln zu dürfen. Bei dem dritten wurde das Befriedigen des Grundbedürfnisses gratis ermöglicht mit dem Hinweis auf einem Metallschild, dass laut eines Bundesgesetztes das benutzen einer Toilette an öffentlichen Plätzen wie diesen gratis sein muss. Ok. Um 17:30 waren wir schließlich vereinigt und fragten uns durch die Passanten, welchen Omnibus wir zu unserer Unterkunft nehmen könnten. So schnell wie möglich zum Strand, nachdem wir nun beinahe den gesamten Tag auf Reisen verbracht haben. Unsere Entscheidung fiel auf die Linie 304…Ergebnis: Aus der etwas mehr als einer Stunde Fahrtzeit, des Busfahrers wurden ungelogen 3 Stunden kreuz und quer durch Rio. Als hätten die gewusst, dass wir mit dem Gedanken spielen, eine Citytour durch Rio zu machen .Abends gings dann schnell an den Strand und in eine kleine Bar, um die knurrenden Mägen zu stopfen. Voller Energie machten wir uns am nächsten Tag auf, um die Christusstatue zu besichtigen. Abgesehen von den unglaublichen Preisen, nahmen wir den richtigen Omnibus und hatten wunderschönes Wetter. Oben angekommen überkam uns jedoch eine Müdigkeit, dass wir uns im Gegensatz zu allen anderen interessierten Menschen fertig, wie nach einem Marathon, zu den Füßen Christi setzten und erst einmal entspannten. Natürlich gabs auch in unserem Programm ein einstündiges Fotoshooting unter tausenden von Statisten, die nicht immer das machten was sie unserer Meinung nach tun sollten. Letztendlich verließen wir jedoch die Statue zufrieden. Die anschließende Zeit am Strand war wunderschön (alle Rio- Werber: ihr hattet Recht). Um 20 Uhr machten wir uns dann auf die Suche eines Buses zur Unterkunft, denn voller Tatendrang wollten wir natürlich noch ein bisschen Tanzen gehen…Aber der Tag wäre auch zu perfekt gewesen: Nachdem wir eineinhalb Stunden auf unseren Bus warteten erfuhren, wir, dass dieser an der Haltestelle nicht hält. Und somit endeten wir in derselben Bar vom ersten Abend und es war gar nicht so schlecht, anschließend keinen langen Heimweg zu haben… Am Sonntagmorgen brutzelten wir uns noch ein bisschen am Strand und dank Madonna, machten wir uns 3 Stunden vor Abfahrt des Buses nach Sao Paulo auf den Rückweg. Ja, auch Madonna ist so begeistert von Rio, dass sie es sich ab und zu herablässt dort eine Show zu geben. Die Rückfahrt verlief gut, bis auf das kleine Detail, dass an einer Raststätte der Bus beinahe ohne uns abfuhr, weil wir uns aufgrund der absurden Preise nicht entscheiden konnten, was wir mit unseren reklamierenden Mägen tun sollten. Fazit: Von den 2 Tagen in Rio saßen wir etwa ein Drittel der Zeit im Bus und ein Drittel haben wir geschlafen!!! Aber trotz aller Ironie muss ich allen Besserwissern Recht geben! Rio lohnt sich!

11.12.12 14:28, kommentieren

Anmerkungen zu dem Stadtplan ganz besonderer Art

Wenn man in bei einer der bekanntesten Suchmaschinen der Welt die drei Worte „Prostitution, Sao Paulo, Travestit“ auf Portugiesisch eingibt, dann kommt auf einer der ersten Seiten das Angebot eines Stadtplans ganz besonderer Art - ein Stadtführer der Prostitution. Auf einen Blick kann sich der ehrenwerte Bürger/ die ehrenwerte Bürgerin informieren an welchen Plätzen ein Angebot seiner/ihrer Wahl zu finden ist. Im einem Motel oder auf der Straße. Besonderes Angebot: im Park. Mann oder Frau. Jung oder Alt. Homosexuell, Bisexuell, Transsexuell, allein, zu zweit, zu dritt…alles was das „Herz“ oder vielleicht eher, folgend eines bekannten Philosophen, der Trieb begehrt. Das Feld ist groß, deswegen soll heute nur eine spezielle Gruppierung näher beleuchtet werden. Wenn man zum Beispiel um 19 Uhr die Straße „Vitoria“ (=Sieg) im Zentrums Sao Paulos entlang geht, stehen in 5 bis 8 Meter abständen einzelne Personen mit hochhackigen Pumps, kurzen bis kaum vorhandenen Röcken, ihr sehr ausgeprägtes Hinterteil hin und herschwingend. Lange wallende schwarze, blonde, rote Haar zieren ihr Haupt und die nicht zu übersehende üppige Oberweite, die wird zur Schau gestellt. Weiter nichts Besonderes. Jede Stadt hat schöne Frauen!? Bemerkenswert ist nur, dass „diese“ beinahe perfekt scheinen – zu perfekt. Das einzige was den genauen Beobachter stutzig macht, sind die überdimensionalen Füße und trotz weiblichstem Hüftschwung, die massiven Hände. Ist die tiefe Stimme wirklich ein Resultat von erhöhtem Zigarettenüberkonsum oder gibt es dafür eine andere Erklärung? Ich möchte an dieser Stelle nicht in die „Genderdiskussion“ einsteigen. Es geht vielmehr um die Vorstellung einer Personengruppe mit der ich täglich zu tun habe und die in den ersten neunzehn Jahre meines Lebens ihren Platz in einer komischen Fernsehsendung auf RTL hatten. Die meisten kommen aus dem sehr armen Nordosten Brasiliens und hoffen darauf in Sao Paulo das große Geld zu machen – natürlich nicht im Hauswirtschafts- oder Industriegewerbe- wenn ihr versteht was ich meine...In 99ig Prozent der Fälle wird bis zum Ende des Lebens geträumt. Die Luxusvilla ist ein enges, schmutziges, heruntergekommenes Miniapartement, das man sich zu fünft teilt. Die Perserkatze ein kleiner kläffender Mischlingshund. Das schicke „Büro“ der Straßenstrich. Anstatt selbst Chef zu sein, wird man als Produkt ins Ausland verschifft. Der gute Ruf und die Anerkennung in der Gesellschaft, zeigt sich in Form von ausweichenden, verächtlichen Blicken bis hin zu öffentlichen Diskriminierung. Die guten Freunde zeigen ihre Zuverlässigkeit, indem sie an deinen Partys teilnehmen, wenn du aber im Sterben liegst dich nicht besuchen kommen. Bis auf die täglich einzunehmende Medikamente gegen HIV und anderen Geschlechtskrankheiten, erfreut man sich bester Gesundheit und der „Champagner und Kaviar“ nennt sich in Umgangssprache auch Marihuana, Crack, …u.ä. Bei diesen vielen nicht zu übersehenden Gemeinsamkeiten der Personengruppe mit den Reichen und Schönen dieser Welt gibt es eine Gemeinsamkeit, die 100 Prozentig übereinstimmt. Genau wie das Geld eines Michael Jackson oder einer Pamela Anderson in den Kassen so mancher Schönheitschirurgen klingelt, so ist auch die genannte Personengruppe Klient bei den weniger professionellen dieses Fachgebiets. Mit einem Unterschied: Aus finanziellen Gründen wird industrielles Silikon benutzt, das sich mit dem Körper vermischt und deswegen nicht wieder raus genommen werden kann. Einmal üppige Oberweite immer üppige Oberweite. Oder in anderen Worten: Es kommt die Zeit in der wir alle älter werden und dann beginnt das Silikon zu sinken wie der Meeresspiegel. Es sinkt und sinkt bis es nicht mehr sinken kann und die Schuhindustrie neue, anders förmige Schuhmodelle auf den Markt bringen muss. Auch die Schmerzmittelvertreiber verdienen in diesem Geschäft… Kurz: Statt Geld, Gesundheit, Status – Armut, Krankheit, Diskriminierung. Nun abschließend die Frage: Wer ist Schuld an der Misere? Die Politik, die Gesellschaft, der Betroffene selbst? Meine Antwort: alle drei…ein bisschen.

28.11.12 20:58, kommentieren

30 min facebook Sao Paulo- 12.11.2012 - 21:11 Uhr

1. Fenster öffnet sich: Mayara: Hallo Cris...Mir geht es gut und dir? Gehst du manchmal noch auf die Farm? Ich vermisse die Zeit dort sehr...Ist Rosi wieder zurück auf die Farm gegangen? Aber Rafa und Gi sind weiterhin da?...Ich kann nicht glauben, dass Gi und Nadine auch gegangen sind. Wie schlimm, wie schade! 2. Fenster öffnet sich: Carina: Huhu Cris?...Mir geht’s gut. Meine Kleine ist ein Jahr alt geworden. Hab´ dich eingeladen, aber du bist nicht gekommen...Genau. Hab´ eine Veranstaltung erstellt und gestern hab´ ich Fotos gepostet. Die hast du nicht gesehen, ne? Aber egal. 1. Fenster blinkt: Mayara: Ich hoffe sie fangen nicht wieder an Drogen zu nehmen. Ich kann diese verdammten Drogen einfach nicht lassen. 3. Fenster öffnet sich: Regina: Ahaha Cris… Wie geht’s dir? www.xy.com...Das ist ein Seminar über Crack. Wenn du Interesse hast… 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Hab meinen Mann verlassen. Bin bei einer Freundin. ...Natürlich bin ich das. Aber es hat keinen Zweck mehr. Er hat mich verlassen…meine Kinder sind bei ihm. Es ging mir gut, hab sogar gearbeitet. Wie aus dem nichts, hat er mir gesagt, dass er nicht mehr will. Er liebt mich nicht mehr. Daraufhin bin ich so traurig gewesen, dass ich Drogen genommen hab. 2. Fenster blinkt auf: Carina: Wir müssen einen Termin ausmachen um uns zu treffen. 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Kam nach Hause, übelst zugedröhnt mit Drogen. Da hat er mich rausgeworfen...Ja, seither konsumiere ich jeden Tag. 3. Fenster blinkt wieder auf: Regina: Wusstest du eigentlich schon, dass Fabio von der Farm gegangen ist? (Seine Therapie abgebrochen hat?) ...Also das Vorstellungsgespräch war gut. Es ist schwer zu sagen was genau sie wollten. Aber es war jetzt das letzte…das reicht auch! 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Ah Cris, jetzt hab ich alles verloren, es gibt nichts mehr für mich. 3. Fenster blinkt wieder: Regina: Ja leider. Mir gings echt schlecht als ichs erfahren hab. 2. Fenster blinkt wieder: Carina: Nein. Es ist sehr stressig. Ich arbeite jeden Tag- montags bis freitags. Es ist schwer. Ich muss die Kleine in die Kita bringen. Mal schauen. 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Cris, leider glaube ich, so soll mein Leben sein. 3. Fenster blinkt wieder: Regina: Am Samstag hab ich noch ein bisschen mit ihm geredet. Hatte das Gefühl er ist traurig. Er ist mit nem anderen „Schüler“ gegangen...Ich weiß den Namen des anderen nicht. 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Wer ist dieser Jemand der noch an mir interessiert ist? 3. Fenster blinkt wieder: Regina: Ist echt traurig. Lass uns für ihn beten. Das ist das einzige was wir im Moment machen können. 1. Fenster blinkt wieder: Mayara: Glaubst du? Ich glaube er hat mich aufgegeben! 2. Fenster blinkt wieder auf: Carina: Alles klar. Möchte ich gern sehen. Kannst schonmal ein Geschenk für den Geburtstag der Kleinen besorgen. Hihi. 1. Fenster blinkt auf: Mayara: Alles klar. Aber was anderes... 2. Fenster blinkt auf: Carina: Mir gehts gut. Weißt du es ist jeden Tag ein Kampf ein Kind aufzuziehen ohne Vater. Arbeiten, Kita bezahlen…es ist ein Kampf mit der Familie. Aber ich bin sauber, ohne Drogen. Ich gehe in die Kirche, versuche mit Gott zu gehen, aus Liebe zu meiner Tochter…Tag für Tag überwinde ich mit Jesus. 1. Fenster blinkt: Mayara: Schau, ich möchte, dass du Rafa eine Nachricht weitergibst. Bitte sage ihr, sie soll ihre nie Therapie aufgeben, dass sie stark ist und bis zum Ende bleibt. Dass sie alle Kraft aufbringt und nicht so schwach ist, wie ich es war… 3. Fenster blinkt: Regina: Ich glaube schon. Aber, soweit ich das verstanden habe wurden sie nicht weggeschickt. Sie haben beschlossen gemeinsam zu gehen. Sie haben weder mit der Leitung darüber gesprochen, noch wurden sie zusammen auf der Farm beobachtet. Ah, Cris, ich muss jetzt raus, aber wir hören uns. Wenn ich was von dem Vorstellungsgespräch höre, gebe ich Bescheid. Dir eine gute Woche. Gott segne dich. 2. Fenster blinkt: Carina: Danke. Das Baby schläft jetzt. Ich geh jetzt. Morgen muss ich um 6 Uhr morgens aufstehen um zu arbeiten. Gute Nacht an meine Freundin, Küsschen. 1. Fenster blinkt: Mayara: Cris, ich mag es mir die zu schreiben, aber jetzt muss ich raus. Wird dich nie vergessen. Ich hab dich lieb. Tschau. 2. Fenster: Cris: Gute Nacht meine Liebe, ruh dich aus du Fleißige. Küsschen. --- 2. Fenster geschlossen. 3. Fenster: Cris: Alles klar. Gute Nacht. Hab dich lieb --- 3. Fenster geschlossen. 1. Fenster: Cris: Ok. Pass auf dich auf und denk über das nach, was ich gesagt habe. Ich hab dich lieb und bete für dich. Küsschen und eine Umarmung --- 1. Fenster geschlossen.

14.11.12 02:11, kommentieren

Anmerkungen

Bei diesem Beitrag handelt es sich NICHT um eine frei erfundene Geschichte, die mein Befinden wiederspiegeln soll. Alle Gespräche sind orginalgetreu übersetzt und fanden zur angegeben Zeit statt. Des Weiteren: Fabio war ein Hoffnungsträger und niemand hatte damit gerechnet, dass er seine Therapie abbricht. Carina kenne ich seit meinem FSJ in Brasilien. Sie hatte einen Rückfall, lebte wieder auf der Straße und wurde schwanger.

13.11.12 03:30, kommentieren