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Zweites Geschicht(chen)

2. Meinen Namen muss ich nicht nennen, der tut nichts zur Sache. Neulich saß ich an einer Omnibushaltestelle nahe bei einem großen Platz im Zentrum Sao Paulos. Zentrum Sao Paulo – dazu muss ich nicht viel sage, über die Sicherheitslage und Durchschnittsbevölkerung wisst ihr ja Bescheid. Es war zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Ungefähr 8 bis 10 Leute befanden sich vor Ort: alle warten , sitzend, stehend, sich unterhaltend, schlafend…als ein Mann in einer muffigen, süffigen Decke eingehüllt vor uns niederkniet und mit tieftrauriger Stimme erzählt, dass er nur 1,50 RS (ca.60 Cent) hat, um sich Essen für diesen Tag zu besorgen. Die ersten Minuten schauen alle betroffen zur Seite. Die Frau rechts neben mir führt ihr Gespräch etwas leiser weiter. Der Mann der mir schräg gegenüber steht, spielt mit seinem Handy. Andere starren zu Boden. Etwas lauter fährt der Mann fort. Während er spricht bewegt er seinen Oberkörper vor und zurück (- nein er war nicht Richtung Mekka ausgerichtet- ). „Seht mich doch an, euch geht es allen gut. Ihr habt keine Ahnung wie hart es ist, auf der Straße zu leben und jeden Tag um Essen zu betteln. Ich weiß nie, ob ich den Tag überlebe…mit nur einem Real habt ihr mir schon geholfen….also was ist,…wollt ihr mir nicht helfen?“ Stille. Mittlerweile betretenes Schweigen. „ Leute, schaut mich an, nach dem Frühstück weiß ich nicht mehr wie es weitergehen soll, nur ein bisschen Geld, ist das zu viel verlangt?“ Er wird forscher. Keiner rührt sich, aber er hat alle Aufmerksamkeit. Er erhebt sich.“ Was ist das heute für eine Ignoranz!!!Ihr seid alle unmöglich keiner will mir helfen. Seht ihr lieber zu wie einer verhungert! Verzogenes Volk!“ Nichts mehr mit weinerlicher, bettelnder, mitleiderregender Stimme….er hat sich in Rage geredet...ist aggressiv. Die Stimmung ist geladen. Eine Frau hält dem Druck nicht mehr stand und beginnt in ihrer Tasche zu kramen. Sie holt eine Kekspackung hervor und hält sie dem Mann hin. „Gott segne dich“ – er spuckt auf den Boden und verschwindet. Na lieber Leser, atmest du jetzt auf und denkst. „ Wie sind die Leute doch ignorant. Wollen dem eigenen Volk nicht helfen, lassen die eigenen Leute noch verhungern…Gott sei Dank, gab es zumindest einen Menschen, der das Herz am richtigen Fleck hatte!!!“ Bitte lese jetzt weiter und vergiss nicht dieses kleine Detail: Während der gesamten Szene hält der bettelende Mann seine Metallpfeife zum Crackrauchen und ein Kästchen mit „Steinen“(Crack) in der linken Hand- für alle offensichtlich. Bitte stelle jetzt nicht die Frage in was er die 1, 50 RS die er zu diesem Zeitpunkt besaß am Ende des Tages investiert hat. Und eine letzte Zusatzinformation: Kekspackungen lassen sich im Crackland in Sekundenschnelle in die wahre Nahrung des Bittenden umtauschen…war das geben einer Kekspackung die richtige Reaktion der Nächstenliebe?

24.10.12 03:20

Letzte Einträge: 30 min facebook Sao Paulo- 12.11.2012 - 21:11 Uhr, Anmerkungen zu dem Stadtplan ganz besonderer Art, Ihr hattet Recht ;), Von Situationen, wie dem Ein- und Ausräumen der Süplmaschine, Rein - 3 Wochen - Anders raus, Kurzszenen aus dem Leben der Christiane S. ;)

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