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Anmerkungen zu dem Stadtplan ganz besonderer Art

Wenn man in bei einer der bekanntesten Suchmaschinen der Welt die drei Worte „Prostitution, Sao Paulo, Travestit“ auf Portugiesisch eingibt, dann kommt auf einer der ersten Seiten das Angebot eines Stadtplans ganz besonderer Art - ein Stadtführer der Prostitution. Auf einen Blick kann sich der ehrenwerte Bürger/ die ehrenwerte Bürgerin informieren an welchen Plätzen ein Angebot seiner/ihrer Wahl zu finden ist. Im einem Motel oder auf der Straße. Besonderes Angebot: im Park. Mann oder Frau. Jung oder Alt. Homosexuell, Bisexuell, Transsexuell, allein, zu zweit, zu dritt…alles was das „Herz“ oder vielleicht eher, folgend eines bekannten Philosophen, der Trieb begehrt. Das Feld ist groß, deswegen soll heute nur eine spezielle Gruppierung näher beleuchtet werden. Wenn man zum Beispiel um 19 Uhr die Straße „Vitoria“ (=Sieg) im Zentrums Sao Paulos entlang geht, stehen in 5 bis 8 Meter abständen einzelne Personen mit hochhackigen Pumps, kurzen bis kaum vorhandenen Röcken, ihr sehr ausgeprägtes Hinterteil hin und herschwingend. Lange wallende schwarze, blonde, rote Haar zieren ihr Haupt und die nicht zu übersehende üppige Oberweite, die wird zur Schau gestellt. Weiter nichts Besonderes. Jede Stadt hat schöne Frauen!? Bemerkenswert ist nur, dass „diese“ beinahe perfekt scheinen – zu perfekt. Das einzige was den genauen Beobachter stutzig macht, sind die überdimensionalen Füße und trotz weiblichstem Hüftschwung, die massiven Hände. Ist die tiefe Stimme wirklich ein Resultat von erhöhtem Zigarettenüberkonsum oder gibt es dafür eine andere Erklärung? Ich möchte an dieser Stelle nicht in die „Genderdiskussion“ einsteigen. Es geht vielmehr um die Vorstellung einer Personengruppe mit der ich täglich zu tun habe und die in den ersten neunzehn Jahre meines Lebens ihren Platz in einer komischen Fernsehsendung auf RTL hatten. Die meisten kommen aus dem sehr armen Nordosten Brasiliens und hoffen darauf in Sao Paulo das große Geld zu machen – natürlich nicht im Hauswirtschafts- oder Industriegewerbe- wenn ihr versteht was ich meine...In 99ig Prozent der Fälle wird bis zum Ende des Lebens geträumt. Die Luxusvilla ist ein enges, schmutziges, heruntergekommenes Miniapartement, das man sich zu fünft teilt. Die Perserkatze ein kleiner kläffender Mischlingshund. Das schicke „Büro“ der Straßenstrich. Anstatt selbst Chef zu sein, wird man als Produkt ins Ausland verschifft. Der gute Ruf und die Anerkennung in der Gesellschaft, zeigt sich in Form von ausweichenden, verächtlichen Blicken bis hin zu öffentlichen Diskriminierung. Die guten Freunde zeigen ihre Zuverlässigkeit, indem sie an deinen Partys teilnehmen, wenn du aber im Sterben liegst dich nicht besuchen kommen. Bis auf die täglich einzunehmende Medikamente gegen HIV und anderen Geschlechtskrankheiten, erfreut man sich bester Gesundheit und der „Champagner und Kaviar“ nennt sich in Umgangssprache auch Marihuana, Crack, …u.ä. Bei diesen vielen nicht zu übersehenden Gemeinsamkeiten der Personengruppe mit den Reichen und Schönen dieser Welt gibt es eine Gemeinsamkeit, die 100 Prozentig übereinstimmt. Genau wie das Geld eines Michael Jackson oder einer Pamela Anderson in den Kassen so mancher Schönheitschirurgen klingelt, so ist auch die genannte Personengruppe Klient bei den weniger professionellen dieses Fachgebiets. Mit einem Unterschied: Aus finanziellen Gründen wird industrielles Silikon benutzt, das sich mit dem Körper vermischt und deswegen nicht wieder raus genommen werden kann. Einmal üppige Oberweite immer üppige Oberweite. Oder in anderen Worten: Es kommt die Zeit in der wir alle älter werden und dann beginnt das Silikon zu sinken wie der Meeresspiegel. Es sinkt und sinkt bis es nicht mehr sinken kann und die Schuhindustrie neue, anders förmige Schuhmodelle auf den Markt bringen muss. Auch die Schmerzmittelvertreiber verdienen in diesem Geschäft… Kurz: Statt Geld, Gesundheit, Status – Armut, Krankheit, Diskriminierung. Nun abschließend die Frage: Wer ist Schuld an der Misere? Die Politik, die Gesellschaft, der Betroffene selbst? Meine Antwort: alle drei…ein bisschen.

28.11.12 20:58

Letzte Einträge: 30 min facebook Sao Paulo- 12.11.2012 - 21:11 Uhr, Ihr hattet Recht ;), Von Situationen, wie dem Ein- und Ausräumen der Süplmaschine, Rein - 3 Wochen - Anders raus, Kurzszenen aus dem Leben der Christiane S. ;)

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