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Von Situationen, wie dem Ein- und Ausräumen der Süplmaschine

Liebe Leser, kennt ihr diese ganz normalen Situationen, die sich innerhalb einer Woche so regelmäßig wiederholen, dass sie schon zum Alltag gehören? Zum Beispiel Geschirrspülen (für alle glücklichen Spülmaschinenbesitzer: das Ein- und Ausräumen der Maschine), Einkaufen gehen, etc. …oder folgende Situation: Man geht durch die Straßen einer Großstadt. Natürlich ist man in Eile. Es ist schon spät und man möchte nach Hause. Mit den Gedanken schon bei dem Film, den man eventuell anschauen möchte oder auch schon einen Schritt weiter: Was am nächsten Tag so ansteht. Da wird man plötzlich von einer kleineren, älteren Dame angesprochen. “Meine Lieben, bitte, bitte helft mir. Ich bin arm und krank und brauche Geld, um mir Medikamente zu kaufen.“ Betretene Stille. Unsichere Blicke wandern hin und her. „ Haben Sie es denn schon am Gesundheitsposten der Regierung gleich um die Ecke versucht?“ Trügt der Schein oder war da ein Schimmer Unsicherheit im Gesicht der Frau zu erkennen? Wenn dem so wäre, ist davon mittlerweile nichts mehr zu erkennen. „Ja, aber da war nichts zu holen. Bitte meine Lieben, es handelt sich nur um 4 Reais (1€).“ Wieder Stille. …20 Sekunden…30 Sekunden…Eine der drei anwesenden zückt den Geldbeutel und gibt 4 RS. „Gott segne euch. So Barmherzig. Ihr werdet unglaublich reich gesegnet. Und wenn ihr auf der Straße seid wird er euch schützen. Genauso wenn ihr im Flugzeug sitzt. Es wird euch nichts passieren. Vielen Dank. Gott segne euch.“ Szenenende. (kurze Anmerkung: Die Passage des Flugzeuges hat keiner von uns so richtig verstanden, aber der Richtigkeit wegen habe ich sie dabei gelassen . Ja, das war eine meiner alltäglichen Situationen. Und aufgrund ihrer Alltäglichkeit, ist es unumgänglich sich Gedanken darüber zu machen. Warum zückt nur eine ihre Geldbörse? Warum helfen die anderen beiden nicht aus? Es handelt sich um eine arme, ältere Dame die ein Medikament für 1 Euro kaufen möchte! Was ist das für eine ignorante Gesellschaft heutzutage. Denkst du das? Dann bist du nicht der einzige. Aber gib mir die Möglichkeit, mal eine ganz andere Version der Situation zu schildern. Die Situation der zwei Egoisten, die nichts gegeben haben und anschließend in die Bahn stiegen, um abends gemütlich vor dem Fernseher einzuschlafen. Natürlich darf nichts verallgemeinert werden. Warum beispielsweise erzählt eine Frau jeden Tag in der Nähe eines Einkaufszentrums den Passanten seit Monaten die Geschichte, dass sie unbedingt Geld für die Rückreise in ihre Heimatstadt braucht und seit Monaten geben die Passanten Geld. Obwohl Brasilien eine aufsteigende Wirtschaftsmacht ist sind die Reisepreise nicht so überhöht, dass man Monate sammeln muss um zurückkehren zu können. Und wer noch der Meinung ist Brasilien ist extrem rückständig und verfügt über keine gute Gesundheitsversorgung hat sich geirrt. Vielleicht funktioniert das System nicht immer gut und man muss ab und zu Stunden warten, aber man hat unglaublich viele Möglichkeiten mit den dementsprechenden – kostenlos- Medikamenten versorgt zu werden. Vor allem wenn es sich um einen so geringen Betrag von 1 Euro handelt. Man darf sich natürlich nicht persönlich angegriffen fühlen und denken, dass der flehende Unterton der Dame dem Gesprächspartner das Gefühl geben soll: Du bist so reich und ignorant. Wenn du nicht gibst, bist du eine schlechte Person. Nur weil es dir finanziell gut geht, vergisst du die Armen und Schwachen und genießt deinen Reichtum, siehst nicht das Elend. Die Dame kann ja nicht wissen, dass du jeden Tag unglaublich viele Menschen am Rande der Gesellschaft siehst und versuchst ihnen zu besseren Konditionen zu verhelfen. Und interessanterweise genau deswegen, eine der „Egoisten“ der Geschichte bist. Denn du weißt, dass sogar eine Dose Kekse für Crack eingetauscht werden kann. Du weißt, dass die erzählten Geschichten variieren können und höchst wahrscheinlich dieselbe Dame morgen eine etwas andere Version erzählt. Du weißt, um die Hilfsprogramme der Regierung und du machst dir Gedanken, ob wenn ständig jemand Geld gibt, die Situation der Betroffenen sich wirklich nachhaltig ändert oder ob damit nicht ihr Leben am Rande der Gesellschaft unterstützt wird. Denn wenn sie es schaffen auf diese Art durchzukommen, werden sie wohl eher nicht auf die Idee kommen etwas zu verändern. Auf die Tatsache, dass du von vielen Ehemaligen schon unglaublich schräge Geschichten gehört hast, die sie erfunden haben, um sich ihren Lebensstil zu ermöglichen und welchen unglaublichen Erfolg sie hatten, möchte ich gar nicht näher eingehen. Ja, vielleicht denkst du: Aber es handelt sich hier um eine ältere Dame, die etwas Geld brauchst. Ich will dich gar nicht davon abhalten den barmherzigen Samariter zu spielen. Vielleicht ist die andere Sichtweise tatsächlich unbarmherzig und hart und ich enttäusche dich, wenn ich mich dazu bekenne eine derjenigen gewesen zu sein, die nichts gegeben hat. Aber wenn einem in einer solch alltäglichen Situation, sofort die vielen falschen Geschichten, kaputten verbrauchten Menschen auf der Straße, die Langzeitkonsequenzen eines Lebens auf der Straße und das Wissen, dass man eben nicht weiß was mit dem Geld gemacht wird, einfällt, war es zumindest für mich nicht möglich in die Börse zu greifen. Denn es ist nicht so, dass ich meine Zeit und mein Geld nicht gerne weitergebe, aber ich will wissen, was damit getrieben wird.

11.12.12 14:31

Letzte Einträge: 30 min facebook Sao Paulo- 12.11.2012 - 21:11 Uhr, Anmerkungen zu dem Stadtplan ganz besonderer Art, Ihr hattet Recht ;), Rein - 3 Wochen - Anders raus, Kurzszenen aus dem Leben der Christiane S. ;)

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