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Rein - 3 Wochen - Anders raus

Kennt ihr diese typischen Hollywoodfilme in denen das hässliche Mauerblümchen eine Hyper-super- Transformation durchläuft und hinterher nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich verändert ist? Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Glaubwürdigkeit dieser Transformationen sprechen, sondern vielmehr einen Vergleich anstellen, denn genau so fühle ich mich. Die letzten drei Wochen hab ich an einem interessanten Ort, mit interessanten Situationen und noch interessanteren Menschen verbracht und diese Umstände haben definitiv unveränderliche Marken in meinem Leben hinterlassen: Drei Wochen zuvor nach einer 15-stündigen Busfahrt steige ich aus einem Taxi und finde mich vor einem heruntergekommenen Hochhaus in der Stadt Vitoria wieder. Tief durchatmen- das wird für die nächste Zeit mein Zuhause sein. Wir durchqueren eine Garage mit allem möglichen kaputten Möbeln, Schaufensterpuppen, Autozubehör und mit Graffiti geschmückten Wänden. Im dritten Stock befindet sich unser Zimmer. Eine 36 jährige Frau empfängt uns, stellt sich als Zimmermitbewohnerin vor: Wir nennen sie liebevoll: die Ästhetik-Frau, denn vieles in ihren Konversationen dreht sich um Schönheit und Ästhetik. Weitere Mitbewohnerin sind eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin um 50, wegen denen wir so einige Ventilatorendiskussionen ausstehen mussten. Ich sag nur: Menopause . Zum Team der interessanten Personen zählen weitere 12 Personen, 9 männlich, 4 weiblich. Mit diesem Team habe ich die wohl bisher größte Herausforderung in Brasilien bestanden. Innerhalb von 15 Tagen wurden wir konfrontiert u.a. mit sexuellem Missbrauch, Sexsucht, Pornografie, rechtlicher Grundlagen gegen häusliche Gewalt, Entwicklungspsychologie, Rechtslage der Kinder, Homosexualität, Transvestimus, (Kinder- )Prostitution, Menschenhandel, emotionale Abhängigkeit. Wir hatten per Skype Unterricht mit einer Brasilianerin, die in Russland mit Opfern von Menschenhandel arbeitet, bei einer Staatsanwältin, die schon 3 Mordversuche überlebt hat und bei einer Brasilianerin, die einen Weg aus einer virtuellen Sexsucht gefunden hat. Wir haben uns Filme angeschaut, die so sehr an die Substanz gingen, dass so mancher hinterher das Bedürfnis hatte alles kurz und klein zu schlagen. Wir haben uns im Schnitt täglich durch 60 Seiten Lektüre gekämpft. Wir haben mit uns selbst gekämpft! Wenn ich heute zurückschaue bekomme ich eine Gänsehaut. Was in diesem Kontext alles bei einzelnen aufgebrochen ist, ist unglaublich. Es war ein großes Privileg mitzuerleben, wie jemand zum ersten Mal in seinem Leben über sexuellen Missbrauch spricht oder erkennt, dass dieses „Monster“ heute keine Macht mehr über ihn hat. Ehrlich gesagt machte sich zeitweise in mir eine große Verzweiflung breit: Ist unsere Welt wirklich so schmutzig? Von den 9 männlichen Teilnehmern wurden alle bis auf einer als Kind sexuell missbraucht. Beinahe alle sind bezüglich ihrer sexuellen Orientierung herausgefordert. Der Sextourismus im Nordosten Brasiliens floriert, Opfer sind zahlreiche Mädchen, die teilweise beginnen mit 8 Jahren Programm zu machen. Die Rate der Pornografiekonsumenten ist enorm und es sind mehr Menschen in unserem persönlichen Umfeld Sexsüchtig als wir wahrhaben wollen. Warum geben wir diesen Themen so wenig Raum in unseren Unterhaltungen und tun so als seien die Betroffenen Außerirdische? Ja, ja ich würd auch lieber über die schönen Strände, den netten Film im Kino und den Ausflug an den Hafen schreiben (was ich hiermit getan habe ). Zu guter Letzt hab ich noch eine gute Info für euch: Ich hab den Kurs bestanden .

3.2.13 23:59

Letzte Einträge: 30 min facebook Sao Paulo- 12.11.2012 - 21:11 Uhr, Anmerkungen zu dem Stadtplan ganz besonderer Art, Ihr hattet Recht ;), Von Situationen, wie dem Ein- und Ausräumen der Süplmaschine, Kurzszenen aus dem Leben der Christiane S. ;)

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